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von Astrid Müllner (Die Presse) 28.01.2006

Gemeinsam Bauen. Mitreden ausdrücklich erwünscht: Zusammenschlüsse privater Bauherren versprechen viele Rechte bei der Wohnungskonzeption, bergen aber auch jede Menge Schwierigkeiten.

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Ohne Maulkorb

28.01.2006 | 00:00 | von Astrid Müllner (Die Presse)

Gemeinsam Bauen. Mitreden ausdrücklich erwünscht: Zusammenschlüsse privater Bauherren versprechen viele Rechte bei der Wohnungskonzeption, bergen aber auch jede Menge Schwierigkeiten.

Eine Wohnung mit Büro sollte es sein. Nichts von der Stange, viel Mitspracherecht bei der Planung, wie beim Einfamilienhaus _ nur nicht am Land. "So etwas muss doch auch im städtischen Raum machbar sein", dachten sich Gernot Tscherteu und seine Frau, als sie auf die Suche nach einem Platz zum Leben _ und nach Gleichgesinnten _ gingen. Mit anderen ein Wohnprojekt auf die Beine stellen, die eigenen Vorstellungen voll und ganz verwirklichen, vielleicht auch Kosten sparen. Klingt super _ muss es aber nicht sein. Diesen Vorteilen, die Zusammenschlüsse privater Bauherren bringen können, stehen jede Menge Gefahren gegenüber. Zum Beispiel jene, dass die Gleichgesinnten dann doch nicht einer Meinung sind. Oder dass niemand damit gerechnet hat, wie viel Zeit, Energie und manchmal auch Nerven es kostet, zu Entscheidungen zu kommen. Oder wie kompliziert ein Bauvorhaben, noch dazu ein größeres, sein kann.

... und du planst mit

In Deutschland entwickelt sich eine lebhafte Szene in Sachen Baugemeinschaften. Es existieren spezielle Modelle ebenso wie Baubetreuer eigens für diese Zwecke. Hier zu Lande haben es solche Initiativen, meist Errichtergemeinschaften genannt, noch etwas schwerer.

Gernot Tscherteu und seine Familie wohnen deshalb heute auch in einer "normalen" Wohnung. Den Plan, mehr mitzuplanen, haben die Architektin und der Mediendesigner dennoch nicht aufgegeben. Sie hatten die Idee, eine Internet-Plattform zu gründen, auf der sich Wohnungssuchende mit ähnlichen Wünschen, aber auch Planer und Bauträger virtuell treffen können. "parq ...und du planst mit" nennt sich das Projekt, das seit Herbst 2004 online ist und sich als "kommunikatives Bindeglied" versteht.

Zwischen wem? "Da gibt es die verschiedensten Möglichkeiten", erzählt Tscherteu. Architekten und Liegenschaftsentwickler sollen dort ihren Kunden die Möglichkeit geben, an der Planung ihrer Wohnungen tatkräftig mitzuarbeiten. Aber auch private Initiativen können "parq" nutzen, um ihre Kommunikationsflüsse untereinander strukturiert abzuwickeln oder Menschen mit ähnlichen Wohnideen zu suchen. Auf längere Sicht soll eine Plattform entstehen, auf der sich von Architekten und Bauträgern, Moderatoren und Koordinatoren bis hin zu Wohnungssuchenden alles tummelt, was sich für Mitplanung interessiert.

Bis dahin bleiben Errichtergemeinschaften noch recht auf sich allein gestellt. Was sie grundsätzlich beachten sollten? "Sich in der Anfangsphase genügend Zeit für das Konzeptionelle nehmen." Das rät Wolfgang Zeiner, einst Mitglied des Bau-Ausschusses bei den Pionier-Projekten Sargfabrik und Miss Sargfabrik. Ist das geschafft, wird's verbindlich. "Dann sollten Grundsatzvereinbarungen getroffen werden, das Ganze gehört gut dokumentiert. Und Transparenz ist wichtig." Weiterer Punkt: Viel Know-how ist gefragt, nicht nur in baulicher Hinsicht, sondern auch in Sachen Koordination, Organisation und Moderation. "Ist es in der Gruppe selbst nicht vorhanden, muss es von außen geholt werden", so Zeiner.

Auf alle Fälle an Externe wenden sollte sich die Errichtergemeinschaft, wenn es um juristische Angelegenheiten geht. Schließlich gibt es "die verschiedensten Rechtsformen von Zusammenschlüssen _ die dann auch für den Immobilienbereich gelten", weiß Rechtsanwalt Johannes Olischar. In diesem Bereich weit verbreitet: Gesellschaften bürgerlichen Rechts, es können aber auch Vereine, die Sargfabrik ist ein Beispiel, gegründet werden. Welche Form geeignet ist, hängt von vielen Fragen ab _ etwa von jener, ob für jeden Einzelnen Wohnungseigentum begründet werden soll. "Lieber mehr in den Vertrag investieren", rät Olischar. "Prozesse nachher kosten viermal so viel."s

Platz für zweirädrige Lieblinge

Klingt vernünftig, vor allem, wenn man es mit "komplett unterschiedlich tickenden Menschen" zu tun hat, wie es Marc Jenewein vom Grazer Architekturbüro Love beschreibt. Das Büro hat kürzlich den Wettbewerb gewonnen, den eine Baugemeinschaft für eine Wohnanlage in der Hamburger Hafencity ausgeschrieben hat. Loves Glück: Die Grundrisse der Wohnungen wurden in intensiver Vorarbeit bereits festgelegt, das Büro kümmert sich um die Verfeinerung und architektonische Außenwirkung. "Eigentlich sind das 16 verschiedene Einfamilienhäuser unter einem Dach", beschreibt Jenewein. Beispiel gefällig? Die eine Familie möchte es ganz konventionell, die andere will (außer rund ums Klo) partout keine Wände, die dritte braucht im Wohnzimmer Platz für ein Motorrad. Es hätte schlimmer kommen können, schließlich ist Papa BMW-Niederlassungsleiter.

Kontakte:

www.parq.at (Plattform & Projekte)

www.sargfabrik.at: Pionier-Projekt

www.love-home.at: Architekten

www.buergerstadt.at: Blick zu den Nachbarn